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„Nicht schon wieder schreiben“, ist das erste Feedback. Der Kindermund tuts kund, lehnt sich zurück und kichert. Die Großen sind perplex. Lektion Nr.1 gelernt: Die „Richtigkeit“ eines Projektes zeigt die Praxis, und nicht allein der Antrag.

Darum: Ein „Lebensbuch“ besteht nicht nur aus Worten. Genauso gut „spricht“ eine Zeichnung, eine Collage, ein Steckbrief oder eine Landkarte für das, was war, was ist und was sein kann.

„Memory Books“ und die Methode „Life Story Work“ entsteht Mitte der 80iger Jahre in Afrika und Großbritannien. Hier wird die „Biografiearbeit“ bekannt und vor allem durch das „Ten Million Hero Book Projekt“ kommuniziert: In Uganda zeichnen oder schreiben aidskranke Mütter ihren Kinder „greifbare Erinnerungen“ auf. Diese „Lebensbücher“ gehen um die Welt. In Deutschland findet die Methode Eingang in die Jugendhilfe, Heimerziehung, Pflege- und Adoptivvermittlung. Die Psychologen und Autoren Irmela Wiemann und Brigitte Lattschar sowie das Jugendhilfeverbundsystem „Eylarduswerk“ in Niedersachsen sind dafür richtungweisend.

In Berlin-Moabit greift Isabel Morgenstern, Absolventin des Masterstudiengangs „Biografisches und kreatives Schreiben“ an der Alice-Salomon-Fachhochschule in Berlin die Idee der „Memory Books“ auf und initiiert auf eine ähnlich lautende Ausschreibung des Begleitausschusses das Projekt „Lebensbücher in Moabit“. Und: Weil eine Einzelperson nicht Projekträger sein kann, gründet Isabel Morgenstern den Verein „Memory e.V“.

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„Es geht um Leon, den Ältesten. Es reicht uns, und den anderen wohl auch. Jetzt legen wir alles auf den Tisch. Aber nicht beim 'Amt', sondern da, wo wir es wollen. Bei uns zuhause, in einer Kneipe oder sonst einem neutralen Ort. Und da sollen die dabei sein, die uns wirklich kennen und denen wir vertrauen. Yasmin, die Nachbarin, wäre so eine. Oder die Mutter von Leons bestem Freund. Oder sein Lehrer, mit dem wir gut klar kommen. Und bei so einer „Konferenz“, ja da kann ruhig das 'Amt' dabei sein; also zuhören, aber nicht allein bestimmen ..."

So ungefähr ist das bei einem deutschen „Familienrat“ (FR), einem „Verwandtschaftsrat“ oder einer „Familiengruppenkonferenz“, der „Family Group Conference“ (FGC), wie sie inzwischen weltweit praktiziert wird. Die Idee geht auf die Maoris in Neuseeland zurück, wo Erziehung nicht nur Sache der (biologischen) Eltern, sondern des gesamten (sozialen) Stammes ist.

Mit dem Inkrafttreten des „Children, Young Persons and their Families Act“ wurden 1989 staatliche Familienhelfer bei strafrechtlichen oder erzieherischen Problemen tätig. Die Idee der „Bürgerkoordinatoren“ entstand zunächst in den Niederlanden; in Deutschland sind seit Mitte 2000 Wolfgang Bude und Prof. Dr. Frank Früchtel die führenden wissenschaftlichen Köpfe.

In Berlin wird das Jugendamt von Mitte die treibende Kraft für die Erprobung von Familienräten mit „Bürgerkoordinatoren“. Dieser Ansatz wird damit „Aufhänger“ für das Projekt „Familienrat für Alle“.

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„Gewalt im Klassenzimmer“. „Rauben. Schlagen. Demütigen.“ So oder ähnlich häufen sich Berichte über Jugendliche, die noch vor einigen Jahren „nur“ solange zuschlugen, bis einer wehrlos am Boden lag und „genug“ hatte. Heute wird hemmungslos so lange weiter getreten und geprügelt, bis nicht das Opfer, sondern der Täter „genug“ hat. Um dem wirksam begegnen zu können, werden zunehmend spezifische Anti-Aggressions-Trainings entwickelt und angeboten. Diese richten sich vornehmlich an die herkömmlich bekannten männlichen Täter.

Da entgegen der landläufigen Meinung über das „schwache, weibliche Geschlecht“ auch zunehmend junge Mädchen zum Täter werden, entwickelte der Träger eine innovative neue Konzeptidee: Schulung der Lehrer, die ihrerseits in Gruppen- und Einzeltrainings versuchen männliche und weibliche Schüler, die kurz vor einem möglichen Schulverweis stehen, zu erreichen.

Der Träger, der in diesem Themenfeld über vielfältige Erfahrungen verfügt, setzt dazu neben anderen Methodiken das mit EU-Mitteln entwickelte Programm „TESYA“ (Training, Empowerment,
Support for Youth and Adults) ein, das sich in der Arbeit mit jugendlichen Gewalttätern in der Vergangenheit überaus bewährt hat.

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Du hast eine Idee. Das ist gut. Aber wären zwei, drei, ja vielleicht zig Varianten deiner Idee nicht noch besser? Noch vielfältiger? Noch wirkungsvoller?

„Beteiligungsprojekt“, was für ein Zungenbrecher. Und was für eine geniale wie einfache Idee: Als „Projekt-Teilhaber“ (und nicht nur als „Zielgruppe“) multiplizieren oder variieren Jugendliche eine Grundidee in ein Vielfaches. Um dies zu initiieren, sprechen Jugendliche (andere) Jugendliche direkt an. Das bringt die sprichwörtliche „Vielfalt“ in dieses Projekt: Mit der (Multiplikatoren-) Schulung der einen wird die andere Gruppe nicht nur für das Förderprogramm gewonnen und aktiviert, sondern auch zur Ideengenerierung aufgefordert. Damit entsteht – auf der Basis der Grundidee – eine bunte und große Anzahl von Klein- und Kleinstprojekten, die fast alle erfolgreich umgesetzt werden können.

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Beispiel tut viel:

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